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Hochzeitsanzug - der Bräutigammode im Wandel der Zeit
Schon immer stand bei einer
Hochzeit die Braut im Mittelpunkt des Geschehens. Allein durch ihr Brautkleid
zog sie alle Blicke auf sich. Der Bräutigam konnte da nur schwer mithalten.
Anfang des 20. Jahrhunderts standen beide Brautleute in Schwarz vor dem
Traualtar. Sie in einem schwarzen Kleid und noch ohne Schleier, er in seinem
guten schwarzen Anzug, der auch zum sonntäglichen Kirchgang oder zu Beerdigungen
getragen wurde. Einzige Hochzeitsaccessoires waren ein neuer weißer Stehkragen
und ein Sträußchen am Revers.
Wer hatte, trug eine Weste und daran eine goldene Taschenuhr. In den 1920er
Jahren trug die Braut Weiß und einen Schleier und der Bräutigam immer noch
Schwarz. Wer eine große Hochzeit feierte und einmal richtig Geld ausgeben
wollte, lieh sich für diesen großen Tag einen Frack aus. Ein schwarzer Frack war
schon immer das Symbol für einen Mann von Welt. Dazu wurde ein weißes Hemd mit
gestärkten Manschetten und einem so genannten Brustlatz getragen. Beides war
abnehmbar und wurde meistens gekauft. Der Zylinder war ein Muss. Nur er und
eventuelle weiße Handschuhe machten den Bräutigam erst perfekt.
Zwischen 1930 und 1950 trug der Bräutigam entweder Uniform oder immer noch einen
schwarzen Allzweckanzug. Frack war nur noch bei besonders festlichen Anlässen
Mode und der Bräutigam mochte es lieber bequem. Der Stehkragen oder Vatermörder
war unmodern geworden und stattdessen wurde ein normales weißes Hemd mit
schwarzer Fliege getragen. In den 1960er Jahren kam eine Neuerung aus Amerika
nach Deutschland: Das Dinnerjacket. Eine weiße Jacke die in Verbindung mit einer
schwarzen Hose auch zu Hochzeiten salonfähig wurde. Dazu wurden eine schwarze
Fliege und auf Hochglanz polierte Lackschuhe getragen und so mancher Bräutigam
wurde mit dem Oberkellner verwechselt. Ebenfalls neu war der Smoking. Ein
Gesellschaftsanzug mit glänzenden Revers, Kummerbund und einem Hemd mit
verdeckter Knopfleiste. Ähnlich wie der Frack war auch der Smoking nur etwas für
besondere Anlässe, wie eben einer Hochzeit. Die 1970er und 1980er Jahre waren
die Flower Power Zeit. Auch in der Bräutigammode bekannte man Farbe. Das Hemd
zum Hochzeitsanzug durfte jetzt ruhig Fliederfarben sein und die Fliege
Orange-Gelb. Hochmodern waren Anzüge aus schwarzem Samt mit einer Schlaghose,
also sehr weiten Hosenbeinen. Dazu wurden Plateau Schuhe getragen. Nicht zu
vergessen, die Rüschenhemden. Je rüschiger, desto besser. In den 1990er Jahren
kehrten langsam wieder Ruhe und Eleganz ein. Bis heute trägt der Bräutigam
Frack, Smoking oder einfach einen schlichten schwarzen Anzug. Die Hemden sind
bequemer geworden und die Westen werden farblich dem Brautstrauß angepasst, aber
immer noch zieht die Braut alle Blicke auf sich. (menswear)
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